Mittwoch, 11. November 2015

FAT Talk

Meine Lieben!

Ich habe zu breite Arme. Mein Bauch ist nicht flach. Ich bin zu dick.

Sätze wie diese gehen mir immer mal wieder durch den Kopf und das sind noch die harmlosen. Es werden Fragen gestellt wie "sehe ich in dem Kleid zu dick aus?" oder "passe ich in diese Hose mit meinem Po?", um eine erhoffte positive Antwort zu erhalten, damit wir uns besser fühlen. Wieso tue ich mir das an? Wieso schaffe ich es nicht, auf das Positive zu achten?

In einem Modul, das ich hier in Santa Barbara besuche, ging es während einer Vorlesung um "Disordered Eating" und Body Image. Dabei lag der Fokus nicht auf diagnostizierbare Essstörungen, sondern mehr welche Verhalten wir im Zusammenhang mit Essen und körperliche Ideale aufweisen.


Schon in meiner frühen Kindheit war Essen ein grosses Thema. Als Kind war ich sehr schlank und kannte während der Primarschule kein richtiges Hungergefühl. Ich mochte keine Pizza, keine Süssigkeiten und auch bei McDonad's sammelte sich kein Wasser im Mund. Meine Eltern erzählen immer wieder Geschichten, dass meine Verwandten in Griechenland besorgt waren um mich, weil sie mich zu dünn fanden, oder wie alle Kinder im Sommer Eis assen und ich einfach keines wollte.
Dies änderte sich dann schlagartig in der Pubertät. Ich hatte plötzlich Hüften und mit meinem Wachstum wuchs auch mein Appetit. Heutzutage geniesse ich gutes Essen und gönne mir auch immer wieder etwas Süsses zwischendurch.

Doch bin ich vollkommen zufrieden mit meinem Körper? Ich arbeite daran.

In der Vorlesung ging es um sogenannte "red flags", Warnzeichen für potentielle gestörte Ernährung. Das beginnt bei Kalorien zählen, Mahlzeiten auslassen, übertrieben Sport treiben usw. Dabei ist die Motivation dahinter ausschlaggebend. Mache ich so viel Sport, um gesund und fit zu sein oder bin ich unter Druck, um gut auszusehen? Lebe ich vegan, weil ich überzeugt bin, dass dies die gesündeste Ernährungsweise ist für mich oder möchte ich damit abnehmen?
Wichtig: Sind die Hintergründe unseres Tuns mit Gesundheit verbunden, steht Nichts im Weg. Liegt unsere Motivation jedoch in einem von uns definierten und vielleicht unrealistischen Körperideal, kann es schwierig werden. Ich muss jedoch zugeben, dass ich den "healthy & fit lifestyle" Trend unterstütze. Ich finde es super, dass man sich mit seiner Ernährung und Gesundheit auseinander setzt und versucht, eine bessere Version von sich selbst zu werden. Natürlich aber alles im gesunden Ausmass.

Fat Talk sind die negativen, körperbezogenen Sätze, die uns durch den Kopf gehen, wenn wir in den Spiegel schauen. Ich denke, wir alle kennen das. Manchmal ist man einfach nicht zufrieden mit sich selbst und dem eigenen Aussehen. Manchmal ist es einfach das Fischen nach Komplimenten. So oder so, Fat Talk ist total unnötig und es nervt. Mögen wir nicht alle die Leute besser, die zu sich stehen und selbstbewusst sind? JA!

Hier in Kalifornien sind meine Komplexe irgendwie verflogen. Es kümmert mich nicht, ob mich die Leute hier dick oder dünn finden. Irgendwie gibt es Wichtigeres zu tun. :-) Doch die Zweifel und die Unzufriedenheit schleicht sich trotzdem immer wieder heran.

Welche Schritte helfen also, um den eigenen Körper zu akzeptieren und zu lieben?

Bewundere deinen Körper
Unsere Körper sind unglaublich. Wir sollen anfangen sie zu bewundern. Jeder Körper ist anders, und das ist auch gut so. Dankbar zu sein für unsere Körperteile und Organe tönt vielleicht etwas übertrieben, aber es trägt dazu bei, dass wir unseren Köper wertschätzen.
Die breiten Hüften helfen mir vielleicht bei der Geburt eines Kindes. Die langen Arme sind ganz praktisch in der Küche. Meine kräftigen Beine helfen mir beim Gehen. Wisst ihr, was ich jetzt meine?

Sei gut zu dir
Wenn andere Leute schlecht über uns reden, verletzt uns das. Wieso tun wir uns das dann selbst an? Stop Fat Talk und versuche die Sätze in deinem Kopf ins Positive umzuwandeln. Genau so sollte man auch aufhören, "schlank für nächsten Sommer" als Ziel zu haben und anfangen für die Gesundheit und ein längerfristiges Ziel Massnahmen wie diese zu ergreifen.

Keine Vergleiche anstellen
Es wird immer dünnere, reichere, schönere, klugere, lustigere Menschen geben, als wir es sind. Es bringt nichts, Vergleiche anzustellen und sich mit anderen messen zu wollen, weil wir alle verschieden sind.

Komplimente für Charakter und Errungenschaften
Komplimente über das Aussehen hören wir alle gerne und wir fühlen uns gut, wenn jemand behauptet wir sind schön. Komplimente über Charaktereigenschaften, Fähigkeiten oder Errungenschaften schmeicheln mir persönlich mehr. Und ich glaube wir können alle etwas mehr Komplimente jenseits von Aussehen und Auftreten gebrauchen.

Finde heraus, was gut ist für dich
Ich habe schon so oft gedacht, diese oder jene Ernährung ist das Richtige für mich. Ich muss so und so oft Sport treiben, dann gelingt es... Schlussendlich spielt es keine Rolle was oder wie, hauptsache die Gesundheit steckt dahinter. Die 80/20% Regel wurde bei der Vorlesung angesprochen. Was die 80% und die 20% jedoch sind, ist ebenfalls für jeden von uns unterschiedlich.

Mit diesem Post möchte ich einerseits etwas loswerden (ich therapiere mich hier selbst ;-)) und andererseits vielleicht etwas zum Nachdenken anregen. Ich arbeite wirklich daran, meine Einstellung zu ändern und denke, es ist etwas vom Wichtigsten, sich selbst zu lieben.
Das Leben ist zu kurz, dies nicht zu tun.

Love,
Irini
 
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